aus der Berliner Morgenpost
vom 06.10.2000)
Stadtteil-Zentren sollen Kiez-Aktivitäten
koordinieren
Soziales Netzwerk bietet Anwohnern Hilfe
durch Selbsthilfe
Von Ingo Rössling
Hohenschönhausen - So könnte
sich die soziale Landkarte gravierend verändern: Fünf «Stadtteilzentren» sollen
in Hohenschönhausen entstehen. Millionenschwere Investoren werden dazu jedoch
nicht benötigt. Denn es handelt sich um keine neuen städtebaulichen
Mini-Projekte der Marke «Potsdamer Platz», sondern um eine kiezbezogene
Aufwertung der sozio-kulturellen Infrastruktur in der «Platte». Bürgermeisterin
Bärbel Grygier (für PDS) und Sozialstadtrat Michael Szulczewski (CDU) legten
dazu jetzt kurz vor der Fusion mit Lichtenberg der
Bezirksverordneten-Versammlung eine Konzeption vor.
Sie entstand in enger Kooperation mit fünf federführenden Vereinen und dem
Forum freier Träger. Es gibt Konsens, Hohenschönhausen in fünf klar umrissene
soziale Zentren aufzuteilen, in der Leiteinrichtungen alle Fäden in der Hand
haben.
Das Zentrum Nr. 1 soll das Dorf Wartenberg sowie die daran angrenzenden
Großsiedlungen mit mehr als 18 000 Einwohnern umfassen. Verantwortlich zeichnet
die Beratungsstelle Dialog-Lebenshilfe des «Lebensmut e. V.» mit Sitz an der
Grevesmühlener Straße 24.
Das Einzugsgebiet 2 erstreckt sich vom S-Bhf. Hohenschönhausen zu den
Wohnvierteln im nordöstlichen Raum und weiter bis zum Dorf Falkenberg. In
dieser Region leben etwa 18 000 Menschen. Die Regie soll der Verein für ambulante
Versorgung mit seinem neuen generationsübergreifenden Nachbarschaftstreff
Warnitzer Straße 12 übernehmen.
Im Sozialraum 3 einschließlich Malchow sind 24 000 Menschen zu Hause. Den
Schwerpunkt bilden die Plattenbau-Wohnviertel zwischen S-Bahntrasse, Falkenberger
Chaussee, Zingster Straße bis zur Straße Am Berl. Den Hut sollen dort der
Verein für ambulante Versorgung und der Freizeit-Haus e. V. gemeinsam aufhaben.
Ihr Nachbarschaftshaus, Am Berl 8 - 10, und die Selbsthilfe-Kontaktstelle,
Ahrenshooper Straße 5, liegen mitten in dem Ballungsgebiet.
Für das soziale «Stadtteilzentrum» Nr. 4 mit 22 000 Bewohnern wird der «Verein
zum Schutz junger Mütter - Lebensnetz e. V.» zuständig sein. Es reicht von der
Falkenberger Chaussee über die Viertel am Mühlengrund bis zum Malchower Weg und
zur Gartenstadt und endet im Kiez rund um den Dorfkern.
Alt-Hohenschönhausen nebst den Plattenbauten an der Landsberger Allee und dem
Wohngebiet «Weiße Taube» bildet den Stadtraum Nr. 5. Knapp 30 000 Menschen
leben dort. Der «BALl e. V.» mit seiner sozial-kulturellen «Villa Magnet»,
Manetstraße 54, übernimmt das Steuer.
Derzeit sind im Bereich Soziales/Gesundheit des Bezirkes 44 freie Träger
mit 130 Projekten aktiv. Frau Grygier und Szulczewski erwarten, dass sie
gemeinsam mit öffentlichen und kirchlichen Trägern alle Ressourcen zu einem
Netzwerk bündeln. Noch vor der Fusion soll es eine Regionalkonferenz mit
Lichtenberg geben. Finanzquellen sollen über EU-Mittel, Sponsoring, Stiftungen,
Förderprogramme oder Krankenkassen erschlossen werden. Das besondere Augenmerk
gilt der ehrenamtlichen Tätigkeit. Dazu entsteht eine Datenbank, um Freiwillige
zu erfassen.
http://www.stadtteilzentren.de/berlin.htm